Kurzantwort: Ein verstopfter Abfluss im Erdgeschoss ist meist kein Einzelfall - er deutet auf eine Blockade in der Hauptleitung oder auf Rückstau aus dem öffentlichen Kanal hin. Sofort prüfen, ob andere Stockwerke betroffen sind, und einen Fachbetrieb rufen.
Warum das Erdgeschoss zuerst betroffen ist
Im Erdgeschoss und im Keller liegt der Abfluss am nächsten an der Grundleitung und am Anschlusskanal. Wenn sich in der gemeinsamen Hauptleitung eine Verstopfung bildet, staut das Wasser von unten nach oben - das unterste Stockwerk spürt das als erstes. Bewohner im dritten Obergeschoss können oft noch normal duschen, während im Erdgeschoss schon Wasser aus dem Abfluss drückt.
In Münchner Mehrfamilienhäusern, vor allem in Gründerzeitgebäuden in Bogenhausen, Schwabing-West oder der Maxvorstadt, verlaufen Grundleitungen oft waagerecht unter dem Kellerboden. Diese Leitungen sind anfällig für Fettablagerungen und Wurzeleinwüchse und werden seltener gereinigt als Fallrohre.
Hauptursachen für Verstopfungen im Erdgeschoss
1. Verstopfte Grundleitung
Die waagerechte Grundleitung sammelt alle Abwässer aus dem Gebäude und führt sie zum öffentlichen Kanal. Fett, Seifenrückstände und Fremdkörper setzen sich bevorzugt in der waagerechten Strecke ab. Ist diese Leitung blockiert, steht das gesamte Gebäude still - aber der Abfluss im Erdgeschoss bemerkt es zuerst.
2. Rückstau aus dem öffentlichen Kanal
Bei starken Regenfällen kann der öffentliche Kanal in München überlastet sein und Wasser rückwärts ins Gebäude drücken. Das geschieht besonders bei älteren Mischkanalsystemen. Schutz bietet ein Rückstauverschluss, der per Pflicht in München für Anschlüsse unterhalb der Straßenoberkante eingebaut werden muss.
3. Defekte Rohrmuffen oder Einlagerungen
Im Erdgeschoss-Bereich können abgerutschte Muffen, Fettpolster oder eingewachsene Baumwurzeln die Leitung einengen und schließlich sperren.
Sofortmaßnahmen bei Verstopfung im Erdgeschoss
- Prüfen Sie, ob andere Stockwerke betroffen sind: Klingeln bei Nachbarn oder Kontakt zum Hausverwalter gibt schnell Aufschluss.
- Wasserverbrauch stoppen: Bitten Sie alle Mitbewohner, kein Wasser laufen zu lassen, solange die Ursache unklar ist - jeder Liter erhöht den Druck auf die verstopfte Leitung.
- Keine Chemikalien: In einer Hauptleitung, die unter Druck steht, helfen Rohrreiniger nicht und können Rohrmaterial beschädigen.
- Fachbetrieb rufen: Nur eine Hochdruckspülung mit Rohrkamerabefahrung bringt zuverlässig Klarheit.
Wer ist zuständig und wer zahlt?
Die Zuständigkeit richtet sich danach, wo die Verstopfung sitzt:
- Innerhalb des Gebäudes: Der Eigentümer des Hauses ist verantwortlich. In Mietwohnungen gilt das Verursacherprinzip: Hat ein Mieter die Blockade durch Feuchttücher oder Fett verursacht, kann er zur Kasse gebeten werden.
- Hausanschlusskanal bis zur Grundstücksgrenze: Ebenfalls Sache des Grundstückseigentümers.
- Öffentlicher Kanal: Zuständigkeit der Stadt München (Münchner Stadtentwässerung, MSE). Bei Verdacht auf Rückstau aus dem öffentlichen Netz, informieren Sie die MSE.
Rückstauschutz - Pflicht in München
Abflüsse, die unterhalb der Straßenoberkante liegen (Keller, Erdgeschoss in Hanglage), müssen nach den Entwässerungsvorschriften der Landeshauptstadt München mit einem Rückstauverschluss gesichert sein. Fehlt dieser, trägt der Eigentümer bei einem Rückstauschaden selbst das Risiko - die Hausratversicherung leistet dann häufig nicht.