Kurzantwort: Bleirohre sind silbrig-grau, biegsam und hinterlassen bei Ritzung glänzende Spuren. Blei im Trinkwasser ist gesundheitsschädlich und seit 2013 in Deutschland über dem Grenzwert nicht mehr zulässig - lassen Sie Ihre Leitungen prüfen und ggf. austauschen.
Bleirohre im Münchner Altbau - ein verbreitetes Problem
Bis in die 1970er-Jahre waren Bleileitungen in deutschen Wohngebäuden Standard. In München, wo ein erheblicher Teil des Gebäudebestands aus der Gründerzeit und der Zwischenkriegszeit stammt, sind Bleirohre in Schwabing, der Maxvorstadt, Haidhausen oder Neuhausen noch immer anzutreffen - vor allem in der sogenannten Hausinstallation, also den Leitungen, die innerhalb des Gebäudes verlaufen.
Der öffentliche Kanal und die Zuleitungen der Stadtwerke München (SWM) sind längst saniert. Das Problem sitzt im privaten Bereich: dem Hausanschluss bis zum Zähler und den Wohnungsleitungen.
Wie erkenne ich Bleirohre?
Sie müssen kein Experte sein, um Bleileitungen zu erkennen. Achten Sie auf folgende Merkmale:
- Farbe: Frisches Blei ist silbrig-glänzend, oxidiertes Blei erscheint matt grau bis fast schwarz.
- Oberfläche: Nicht gleichmäßig rund wie Kupfer oder Kunststoff, sondern leicht wellig oder geformt.
- Biegsamkeit: Bleirohre lassen sich mit der Hand verformen - Kupfer und Stahl nicht.
- Kratztest: Ritzen Sie mit einem Schlüssel oder Taschenmesser leicht über das Rohr. Blei gibt sofort einen glänzenden metallischen Streifen ab.
- Schweißnähte: Bleileitungen wurden oft gefalzt oder mit Bleilot gelötet - unregelmäßige Wülste an Verbindungsstellen.
Im Zweifelsfall lässt sich Ihr Trinkwasser im Labor auf Blei testen. Viele Münchner Labore bieten das für 30 bis 80 Euro an. Das Umweltlabor des Landratsamts oder zugelassene Privatlabore führen solche Analysen durch.
Gesundheitsrisiken durch Blei im Trinkwasser
Blei ist ein kumulatives Nervengift, das sich im Körper ansammelt. Besonders gefährdet sind:
- Schwangere Frauen und Ungeborene
- Kinder und Kleinkinder (Beeinträchtigung der Hirnentwicklung möglich)
- Menschen, die das Leitungswasser lange in der Leitung stehen lassen (z.B. morgens als erstes unfiltriert trinken)
Seit dem 12. Januar 2013 gilt in Deutschland gemäß Trinkwasserverordnung ein Grenzwert von 0,010 mg Blei pro Liter Trinkwasser. Wird dieser Wert überschritten, muss der Vermieter informieren und Maßnahmen einleiten.
Was tun, bis die Sanierung erfolgt?
Als Übergangsmaßnahme können Sie das Standwasser morgens ablaufen lassen (2 - 3 Minuten), bevor Sie Trinkwasser entnehmen. Auch Wasserfilter mit zertifiziertem Blei-Filtermedium (NSF-Zertifizierung) können den Wert temporär senken. Dauerhaft ersetzen sie die Sanierung jedoch nicht.
Sanierung und Austausch: Ihre Optionen
Vollständiger Rohraustausch
Die sicherste und dauerhafte Lösung: Bleileitungen werden vollständig durch Kupfer- oder Kunstoffrohre (PE-X, PP) ersetzt. In einem Münchner Altbau liegt der Aufwand je nach Größe und Zugänglichkeit bei 2.000 bis 8.000 Euro. Das klingt viel, ist aber eine einmalige Investition für Jahrzehnte.
Grabenloser Inliner (nur in bestimmten Fällen)
Für Leitungen, die schwer zugänglich sind, kann ein Kunststoff-Inliner das Blei von innen abdecken. Das setzt jedoch eine fachgerechte Ausführung voraus und ist nicht für alle Rohrdurchmesser geeignet.
Wer ist in München zuständig?
Handelt es sich um ein Mietgebäude, ist der Vermieter verpflichtet, die Trinkwasserqualität sicherzustellen und bei Grenzwertüberschreitung tätig zu werden. Wenden Sie sich schriftlich an Ihren Vermieter. In München kann auch das Gesundheitsreferat der Landeshauptstadt bei Verdacht auf Bleibelastung informiert werden.